Wie Plastik den Planeten erobert

Plastik

Von der eingepackten Wurstsemmel über die Wasserflasche bis zur Tragetasche – wer Plastik vermeiden will, stößt oft schon im Supermarkt an seine Grenzen. Forscher haben nun berechnet, wie viel davon jemals produziert wurde und was damit passiert ist.

1950 war die Welt zum Großteil noch plastikfrei. Seither hat sich viel getan: Waren es damals „nur“ zwei Millionen Tonnen im Jahr, wurden 2015 bereits 380 Millionen Tonnen produziert. Mit insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen zählt Plastik laut den Berechnungen der Forscher um Jeanna Jambeck von der University of Georgia zu den meistproduziertesten Stoffen weltweit. Das entspricht in etwa der Masse von einer Milliarde Elefanten oder 822.000-mal dem Eiffelturm. Ungefähr die Hälfte der Gesamtmasse fiel dabei erst in den letzten 13 Jahren an.

Nur wenige Materialien können da mithalten. In größeren Mengen werden etwa Stahl und Zement produziert. Sie dienen aber hauptsächlich als Baumaterialien und sind daher längerfristig im Gebrauch. Im Gegensatz dazu sind laut der Studie nur etwa 2,5 Milliarden Tonnen Plastik dauerhaft in Verwendung.

Die drei Schicksale des Plastikmülls
Das Gros des weltweiten Plastikabfalls (etwa 79 Prozent oder umgerechnet 4,9 Milliarden Tonnen) sammelte sich laut den Forschern bisher in Deponien oder der Natur. Viel davon landet im Meer: Zwischen vier und zwölf Millionen Tonnen waren es alleine im Jahr 2010.

Plastik lässt sich aber auch permanent abbauen. Etwa zwölf Prozent des Plastikmülls werden verbrannt und beispielsweise für die Energiegewinnung genützt. Die dabei entstehenden Emissionen können jedoch große Umwelt- und Gesundheitsrisiken darstellen.

Nur etwa neun Prozent werden tatsächlich recycelt und wiederverwendet. Die Nase vorne haben laut früheren Untersuchungen Europa und China, dort recycelte man 2014 30 bzw. 25 Prozent des Plastiks. Weniger umweltbewusst zeigten sich die USA, nur etwa neun Prozent des Plastiks erhielten dort eine zweite Chance.

Schlechte Aussichten
„Der Großteil des Plastiks, das wir heutzutage verwenden, ist nicht biologisch abbaubar. Der Plastikmüll könnte uns also noch Hunderte bis Tausende Jahre lang begleiten“, so Koautorin Jambeck in einer Aussendung.

Wird der bisherige Trend beibehalten, könnten sich bereits im Jahr 2050 zwölf Milliarden Tonnen Plastik auf Müllhalden und in natürlichen Lebensräumen sammeln. Die Wissenschaftler sehen dringenden Handlungsbedarf.

Quelle: Anita Zolles, science.ORF.at, 19.07.2017