Nachhaltigkeit sorgt für Rendite

Nachhaltigkeit sorgt für Rendite

Anlagen, die neben finanziellen auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen, entwickeln sich besser als herkömmliche Investments.

Eigentlich ist es ganz logisch: Umweltbelastendes oder unsoziales beziehungsweise unethisches Wirtschaften kostet Geld - und zwar das der entsprechenden Unternehmen sowie das ihrer Anleger. Beispiel RWE: Der Energieversorger hat jahrelang den Trend weg von gefährlichen Kernkraftwerken hin zu erneuerbaren Energien ignoriert. Diese Missachtung ökologischer Risiken hat dazu geführt, dass der Aktienkurs in den zurückliegenden zehn Jahren rund drei Viertel seines Werts verloren hat. Der Dax ist im selben Zeitraum rund 60 Prozent gestiegen.

Ein anderes Beispiel ist die Deutsche Bank. Gefühlt ist das größte deutsche Kreditinstitut bei jedem Finanzskandal mit dabei, der irgendwo auffliegt. Der Kurs der Deutsche Bank-Aktie ist in den vergangenen zehn Jahren sogar um 80 Prozent implodiert. Die permanenten Verstöße gegen die Grundsätze einer guten Unternehmensführung (Corporate Governance) haben die Aktionäre regelrecht enteignet. Auch die Autokonzerne gehören nicht zuletzt dank Dieselbetrug und Absprachen zum Nachteil ihrer Kunden seit Jahren zu den schwächsten Werten im Dax.

Versicherer werden ethisch
Es entspricht der unternehmerischen Vorsicht, ökologische, soziale und Governance-Risiken auch bei der Geldanlage zu beachten. Bei großen institutionellen Investoren ist das schon länger der Fall. So hat sich der Allianz-Konzern von der Kohle verabschiedet. Aktien von Bergbau- und Energieunternehmen, die ihr Geld vor allem mit dem fossilen Klimakiller verdienen, gehören für den Versicherer nicht mehr zum Anlageuniversum. Für den französischen Axa-Konzern sind Aktien und Anleihen von Tabak-Konzernen tabu.

Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re will künftig sogar seine gesamten Kapitalanlagen streng an ökologischen und sozial-gesellschaftlichen Gesichtspunkten sowie an der Art der Unternehmensführung ausrichten. Allein bei den Schweizern geht es um die gewaltige Summe von 130 Milliarden. Nach Angaben von Guido Fürer, Chief Investment Officer der Swiss Re, legen institutionelle Investoren weltweit bereits 75 Billionen Dollar nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien an.

Während institutionelle Investoren im immer größeren Stil auf Nachhaltigkeit setzen, drohen viele Privat-Anleger den weltweiten Trend schlichtweg zu verschlafen. Das ist schade, weil es zu schlechteren Erträgen führt. Bei ihren Anlageentscheidungen sollten sie vielmehr auch die indirekten Emissionen bedenken. Jedem Kredit und jeder Geldanlage kann ein CO2-Fußabdruck zugeordnet werden. Jeder Aktienkauf macht Anleger zu (Mit-)Eigentümern, jede Unternehmensanleihe stellt einen Kredit an ein Unternehmen dar.

Dennoch wird Nachhaltigkeit häufig nicht als strategische Chance verstanden, was jedoch Performance kostet. Das liegt unter anderem daran, dass Nachhaltigkeit für jeden Menschen etwas anderes bedeutet. Es gibt keinen Konsens, wann ein Produkt das Attribut "nachhaltig" verdient. Der entscheidende Grund ist jedoch das Vorurteil, dass Nachhaltigkeit mit Rendite- oder Performanceeinbußen einhergeht.

Nachhaltigkeit liefert bessere Performance
Doch genau dieses Vorurteil lässt sich eindrucksvoll widerlegen. In den zurückliegenden zehn Jahren ist der MSCI World, der weltweit wichtigste Vergleichsmaßstab für internationale Aktienportfolien, um 25 Prozent gestiegen. Der Nachhaltigkeits-Index GCX hat sich dagegen im selben Zeitraum mehr als verdoppelt. Er besteht aus 50 internationalen Aktien aus den G7-Staaten und Europa, die konkreten Nachhaltigkeitskriterien entsprechen und gleichzeitig über eine gewisse Mindestgröße verfügen. Der Dax schaffte übrigens nur gut halb so viel - dank, RWE, Deutsche Bank und anderen Unternehmen, die bis heute das Thema Nachhaltigkeit nicht leben.

Quelle: www.teleboerse.de, 05.09.2017