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27.04.12 07:30

Euro steigt leicht zum Dollar, Pfund auf Sieben-Monats-Hoch

Autor: Constantin Ernst
Datenquellen: Reuters; Bloomberg

Euro steigt leicht zum Dollar, Pfund auf Sieben-Monats-Hoch. Der Euro hat am Donnerstag zum Dollar keine klare Tendenz aufgewiesen. Über weite Strecken bewegte sich die europäische Gemeinschaftswährung um den Vortageswert und pendelte zwischen Gewinnen und Verlusten. Zuletzt notierte der Euro bei 1,3236 Dollar 0,1 Prozent höher als am Vortag. Auf den Greenback drückten Erwartungen, dass das US- Wachstum sich im ersten Quartal abgeschwächt hat. Ökonomen gehen einer Bloomberg-Umfrage zufolge davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal mit einer Jahresrate von 2,5 Prozent gestiegen sein dürfte, nachdem es in den drei Monaten zuvor um drei Prozent angezogen hatte. Die Daten werden am Freitag vom US-Handelsministerium veröffentlicht.

Am Donnerstag veröffentlichte Arbeitsmarktzahlen fielen schwächer als erwartet aus. In den USA sind in der abgelaufenen Woche die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 1.000 auf 388.000 gesunken. Ökonomen waren laut einer Bloomberg-Umfrage von einem Rückgang auf 375.000 ausgegangen. Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Federal Reserve weitere Stützungsmaßnahmen erwägen wird. Notenbankchef Ben S. Bernanke hatte am Mittwoch gesagt, er sei gegebenenfalls bereit, "mehr zu unternehmen", um die Konjunktur anzukurbeln. Schwächere Konjunkturdaten kamen aber auch aus dem Euroraum. Der Indikator für das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum ist im April auf 92,8 gesunken und damit stärker als von den Ökonomen erwartet. Volkswirte hatten einer Bloomberg-Umfrage zufolge einen Rückgang auf 94,2 erwartet, nach einem Wert von 94,4 im März. Belastungen für den Euro gingen zudem von einem Kommentar des französischen Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande vom Mittwoch aus, dass Frankreich den europäischen Fiskalpakt in der derzeitigen Form nicht ratifizieren werde, wenn er gewählt wird. Er kritisierte auch die Sparmaßnahmen im Euroraum und erklärte, er werde die Wirtschaft wieder auf Wachstum ausrichten, sollte er die Wahlen gewinnen.

Das britische Pfund kletterte gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit sieben Monaten. Es zog bis auf 1,6207 Dollar an und wurde zuletzt bei 1,6190 Dollar 0,2 Prozent höher gehandelt. In Großbritannien ist ein von der Nationwide Building Society ermittelter Index für das Verbrauchervertrauen stärker gestiegen als von den Ökonomen erwartet. Gegenüber dem Euro festigte sich das Pfund um 0,1 Prozent auf 81,73 Pence. Der Schweizer Franken trat zum Euro bei 1,2015 Franken auf der Stelle bei 1,2015 Franken. Gegenüber dem Greenback stieg die eidgenössische Währung um 0,2 Prozent auf 90,76 Rappen. Der Yen profitierte vom erneuten Aufkeimen der Risikoaversion und stieg gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung um 0,6 Prozent auf 106,91 Yen. Zum Dollar zog die japanische Währung um 0,7 Prozent auf 80,79 Yen an.

Europa steuert wegen der Fokussierung auf Sparmaßnahmen durch die Euro-Spitze auf einen "Selbstmord" zu. Das erklärte Nobelpreisträger Joseph Stiglitz am Donnerstag in Wien. "Es hat noch niemals ein erfolgreiches Sparprogramm in einem größeren Land gegeben", sagte der 69-Jährige gegenüber Journalisten. "Die europäische Herangehensweise ist definitiv die am wenigsten aussichtsreiche. Ich glaube, dass Europa auf einen Selbstmord zusteuert." Aufgrund der Staatsschuldenkrise führen die Regierungschefs der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Sparmaßnahmen im Volumen von insgesamt rund 450 Mrd. Euro durch. Gleichzeitig kletterte die Verschuldung der Eurozone im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euro. Zurückzuführen war dies nicht zuletzt darauf, dass die Staaten mehr Kredite aufnahmen, um ihre Haushaltslöcher zu stopfen und um die Rettungsfonds zu finanzieren. Wenn Griechenland der einzige Teil Europas mit Sparmaßnahmen wäre, könnte das Problem ignoriert werden, sagte Stiglitz weiter. "Aber wenn man England, Frankreich und all die anderen Länder mit Sparprogrammen ansieht, entsteht so etwas wie eine Gesamt-Sparsamkeit, die sehr ernste wirtschaftliche Konsequenzen mit sich bringen wird."

Nach einer tagelangen Zitterpartie hat die zurückgetretene niederländische Minderheitsregierung doch noch eine Mehrheit im Parlament für ihren umstrittenen Sparhaushalt zusammenbekommen. Drei kleinere Oppositionsparteien sagten am Donnerstag dem amtierenden Ministerpräsidenten Mark Rutte ihre Unterstützung für das Budget zu, das mit einer Senkung der Neuverschuldung auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts den europäischen Stabilitätspakt einhält. "Damit können wir die Märkte beruhigen", zitierte die Zeitung "De Volkskrant" Finanzminister Jan Kees de Jager. Bis Montag muss die fünftgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ihre Pläne der EU vorlegen.

An den Finanzmärkten, die Anfang der Woche sehr nervös auf das vorläufige Scheitern der Haushaltsverhandlungen reagiert hatten, dürfte die Einigung für Erleichterung sorgen. Ein Abweichen des eigentlich engen Verbündeten Deutschlands im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise vom Konsolidierungskurs wäre ein beunruhigendes Signal - zumal auch andere europäische Regierung zunehmend wegen ihrer Sparvorhaben unter Druck geraten. Auf dem Spiel stand auch die Einstufung als besonders vertrauenswürdiger Schuldner mit der Top-Bonitätsnote AAA, die den Niederlanden hilft, günstig an den Anleihemärkten an frisches Geld zu kommen. Die Koalition aus Liberalen und Christdemokraten sicherte sich die Unterstützung der kleinen sozialliberalen Partei D66 sowie der ChristenUnie und der Grünen. Zusammen verfügen sie im Parlament über 77 der 150 Sitze. Bis zuletzt war die Zustimmung der Grünen, die zehn Abgeordnete stellen, unsicher.

Unklar war zunächst, ob Rutte im Gegenzug für die Zusage der Oppositionsparteien Kompromisse eingehen musste. Seine Mitte-Rechts-Koalition war am Widerstand ihres bis vor einer Woche wichtigsten Verbündeten gescheitert. Der euroskeptische Rechtspopulist Geert Wilders, der nach der Wahl 2010 der Minderheitsregierung als Königsmacher seine Unterstützung zugesichert hatte, stellte sich nach 18 Monaten plötzlich quer und brachte so das Kabinett zu Fall. Er sehe nicht ein, dass die Niederländer den Gürtel enger schnallen müssten, während sie gleichzeitig schuldengeplagte Länder wie Griechenland unter die Arme greifen sollten, begründete er seine Haltung. Rutte zog die Konsequenzen und reichte den Rücktritt seines Kabinetts ein. Ein neues Parlament soll am 12. September gewählt werden.

Rutte will 14 bis 16 Milliarden Euro einsparen und so verhindern, dass die Neuverschuldung über die von der EU vorgeschriebene Marke von drei Prozent des BIP steigt. Dazu beitragen soll unter anderem eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Punkte auf 21 Prozent. Zudem sollen Medienberichten zufolge Abgaben auf Tabak und Alkohol erhöht werden und die stufenweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beschleunigt werden. Ohne die Maßnahmen steuern die Niederlande auf ein Defizit von deutlich über vier Prozent zu.

Kurz vor der Wahl eines neuen Präsidenten ist die Arbeitslosigkeit in Frankreich so hoch wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Die Zahl der erfassten Jobsucher zog im März um 16.600 auf 2,88 Millionen an, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Auf Monatssicht ist dies ein Anstieg von 0,6 Prozent, im Jahresvergleich sogar um 7,2 Prozent. Höher war die Zahl der Arbeitssuchenden zuletzt im September 1999. Die entscheidende Runde der Präsidentenwahl findet am 6. Mai statt. Umfragen zufolge liegt Amtsinhaber Nicolas Sarkozy deutlich hinter seinem sozialistischen Herausforderer Francois Hollande. Frankreich befindet sich seit vier Jahren in einer Wirtschaftskrise. Zur steigenden Arbeitslosigkeit kommen Schulden in Rekordhöhe sowie ein schwaches Wachstum.

Der Ölpreis hat am Donnerstag bei volatilem Verlauf fester tendiert. Die US-Sorte WTI zur Lieferung im Juni kostete zuletzt 104,22 Dollar - ein Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vortag. Öl der Sorte Brent wurde bei 119,69 Dollar gehandelt, 0,5 Prozent mehr als am Vortag. Stützend wirkte die Erklärung von US-Notenbankchef Ben S. Bernanke vom Mittwoch, dass die Federal Reserve bereit sei mehr zu unternehmen, um die Konjunktur zu schützen. Belastungen gingen jedoch von am Donnerstag veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen aus, die schwächer als erwartet ausfielen. In den USA sind in der abgelaufenen Woche die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 1.000 auf 388.000 gesunken. Ökonomen waren laut einer Bloomberg-Umfrage von einem Rückgang auf 375.000 ausgegangen. "Die Zahlen vom Arbeitsmarkt haben uns einen Tick zurückgeworfen", sagte ein Experte. Gold notierte bei 1.653,95 Dollar je Unze um 0,6 Prozent im Plus. "Der Arbeitsmarkt verliert an Fahrt", sagte James Cordier, Portfoliomanager bei OptionSellers.com in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Es könnte sein, dass die Fed zu einer lockeren Geldpolitik in irgendeiner Weise gezwungen wird. Anleger beginnen, das einzupreisen", führte Cordier weiter aus. Drei-Monats-Kontrakte auf Kupfer an der London Metal Exchange legten um 0,9 Prozent zu und notierten bei 8.280 Dollar je Tonne.

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